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Gladiatoren oder Seifenoper? Warum gibt es keine Konsequenzen für Fußball-Schwindler?

Über den Autor: Jörg Dahlmann

Jörg Dahlmann, gebürtiger Gelsenkirchener, ist ein deutscher Sportjournalist, der nach seinen journalistischen Tätigkeiten bei Ruhr-Nachrichten, WAZ, Lippstädter Tageblatt, Gießener Allgemeine und Wiesbadener Kurier etwa vier Jahrzehnte fürs Fernsehen tätig war. Unter anderem berichtete und moderierte er für ZDF, Premiere/Sky, Sport1 und Ran Sat.1. Für eine Reportage über einen Wechselfehler des Kaiserslauterer Trainers Otto Rehhagel erhielt Dahlmann den FairPlay-Preis sowie den Deutschen TV-Sportjournalisten-Preis.

Gladiatoren oder Seifenoper? Warum gibt es keine Konsequenzen für Fußball-Schwindler?

Jürgen Klinsmann ist ein Sunnyboy. Ewiges Lächeln, irgendwie auch ewig jung. Wie ein Surfer von Malibu-Beach aus Kalifornien. In seiner Heimat Deutschland geachtet (vor allem wegen seiner Erfolge als Bundestrainer, nachdem er 2006 einer am Boden zerstörten Nationalelf zur WM im eigenen Land zu neuen Kräften und neuem Selbstbewusstsein verhalf). Aber geliebt wurde er auch in Deutschland eigentlich nie so richtig.

Warum eigentlich? Warum war die Bindung der deutschen Fußballfans zu „Klinsi“ immer zweischneidig? Anders beispielsweise als zu seinem früheren Sturm-Partner „Ruuuuuuddi“ Völler. Klinsmann war doch immer nett. Aber „nett“ ist eben nicht immer ein Kompliment, hat einen faden Beigeschmack.

Ähnliches gilt für die Engländer, wo Klinsmann 1994 zu Tottenham Hotspur wechselte. Er wurde auf der Insel mit dem Vorwurf empfangen, in seiner Zeit bei Inter Mailand oder beim AS Monaco zu leicht im Strafraum gefallen zu sein und somit Strafstöße für sein Team „geschunden“ zu haben. Engländer mögen keine Fake-Spieler, keine Diver, die grundlos über den Rasen rutschen, zum Zwecke des Elfmeterpfiffs.

Immerhin hatte Klinsmann Humor. Als er - wohlwissend seiner Reputation als Elfer-Schinder - nach einem Tor gegen Sheffield Wednesday als Torjubel einen Diver einbaute, waren die Briten begeistert. Englischer Humor! Auch lachte man, als er mit Tauchmaske zu einer Pressekonferenz erschien. Selbst-Veräppelung par excellence. Er wurde später zu Englands Fußballer des Jahres gewählt, was sonst nur Bernd Trautmann zu Ehren kam, da der Torwart trotz Genickbruchs ein FA-Cup Finale mit Manchester City zu Ende spielte.

Diver hat deutsche Wurzeln

Jürgen Klinsmann gilt als Erfinder des Divers. Aber seien wir ehrlich, auch andere Fußball-Kollegen zeichneten sich aus, auf unehrliche Weise einen Elfmeter herausgeholt zu haben. Schwalben-Könige zum Beispiel. Im Gegensatz zum Diver, der primär zu Boden geht, geht es Schwalben- Experten eher um spektakuläre Stürze.

Und wer fällt der Fußballwelt als Erstes in den Sinn? Neymar natürlich. Der Brasilianer hatte die Gabe, aus jeder Mücke einen Elefanten zu produzieren. Begleitet von einem theatralischen Geschrei, bei dem selbst der hinterste Backenzahn zu sehen war. „Je schmerzverzerrter sein Gesicht war, desto gelassener ließ ich das Spiel laufen“, urteilte später der FIFA-Top- Schiedsrichter Felix Brych.

Aber auch andere Landsleute hatten den zweifelhaften Ruf, gerne und schnell schon bei Gegner-Nähe den Luftsprung oder das Abtauchen zu wählen. Hollands Arjen Robben kämpfte ebenso gegen Urteile und Vorurteile wie Luis Suarez, Vinicius Junior oder Ashley Young. Hierzulande war sicherlich die „Schwalbe des Jahrhunderts“ von Dortmunds Andi Möller, der mit einem Gegner-Abstand von etwa einem Meter zu Boden ging und sogar zur Belohnung einen Elfmeter vom naiven Schiedsrichter belohnt wurde. Der BVB gewann dadurch gegen den Karlsruher SC.

Auch Trainer können faken

Aber nicht nur Spieler können täuschen. Eine Lachnummer, wie es sie nie zuvor gegeben hat, lieferte Duisburgs Trainer Norbert Meier. Als er Nase an Nase mit Kölns Albert Streit stand, versetzte der Trainer dem Spieler eine Kopfnuss, ging aber selbst theatralisch zu Boden, um den Verdacht auf den Kölner zu lenken. Zu seinem Leidwesen gab es schon damals die Zeitlupe, die deutlich zeigte, dass der Impuls von Meier ausging. Ein Sturz mit Folgen: Der DFB schloss ihn von sämtlichen Trainertätigkeiten aus und der MSV Duisburg trennte sich von dem Schauspieler. Obendrein bekam er vom Sportgericht eine Geldstrafe aufgebrummt.

Aber - und damit zurück auf den Rasen - was tun mit den Schwalben- Königen? Wie bestrafen? „Rote Karte“ lautete mal die Forderung der Schiedsrichter-Vereinigungen. Gelb sei zu wenig. Seit 1999 werden solche absichtlichen Täuschungen mit gelb bestraft. Der englische Verband entschied vor Jahren, im Fall der Fälle sogar einen Platzverweis auszusprechen.

Doch schauen wir im Archiv nach. Arjen Robben, der 2014 nach dem WM- Spiel der Holländer gegen Mexiko zugab, einen Elfer geschunden zu haben, kam straffrei davon. Ebenso Italiens Legende Francesco Totti nach einem Täuschungs-Vergehen bei der WM in Deutschland gegen Australien. Totti fiel im Achtelfinale und verwandelte selbst zum 1:0-Endstand. Die „Aussies“ mussten aufgrund einer Unfairness die Heimreise antreten.

Rot und/oder Sperre für krasse Schwalbe?

Ein konkretes Beispiel für eine sofortige rote Karte lässt sich nicht finden. Nachträglich Sperren schon. Fragen Sie mal bei Andi Möller nach. Er wurde für zwei Spiele aus dem Verkehr gezogen. In Deutschland aber eine einzigartige Aktion, die nie wiederholt wurde. Auch weltweit lassen sich keine Beispiele für eine Sanktionierung finden. Jetzt - nach Einführung des Videobeweises - ist das Thema eh passé.

In Holland wüten die Fußball-Fans immer noch wegen einer vermeintlichen Schwalbe von Bernd Hölzenbein im WM-Finale 1974, der zum Elfmeter führte. Der inzwischen verstorbene Frankfurter beteuerte ein Leben lang, er sei am Knöchel getroffen worden. Mag sein. Vermutlich war dies eher ein Elfmeter als das angebliche Foul an Rudi Völler im WM-Finale 1990 gegen Argentinien. Komischerweise wird diese Szene weniger diskutiert als Hölzenbeins Sturz 16 Jahre zuvor. Immerhin verhalfen zwei umstrittene Entscheidungen Deutschland zu zwei Weltmeister-Titeln.

Es gibt aber nicht nur Täuschungen im Strafraum. Auch mitten auf dem Spielfeld gibt es solche Aktionen zuhauf. Gerade gegen Spielende häufen sich solche Aktionen. Mag sein, dass der ein oder andere Spieler sich selbst und seinen Mitspielern eine Pause gönnen will. Aber manche Akteure wollen damit auch schlicht und einfach nur „Zeit von der Uhr“ nehmen, sprich Verzögerungen provozieren.

Argumente pro Nettospielzeit

Früher wurde diese Fähigkeit besonders italienischen Fußballern nachgesagt. Vor allem gewürzt mit viel Theatralik. Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zu einer Einheit geformt und hin- und herwippend. Eine Geste, die seltsamerweise nur auf dem europäischen Stiefel zu Hause ist. Aber egal: Inzwischen haben auch andere Nationen das künstliche Verzögern erlernt.

Schiedsrichter reagieren darauf mit langen Nachspielzeiten. Es soll damit das Spiel gerechter machen und gerade den Spielverzögerern das Handwerk gelegt werden. Aber eigentlich wäre die Nettospielzeit die gerechteste Lösung. Das wäre eine Revolution. Ähnlich wie im Basketball würde bei Unterbrechungen die Zeit angehalten. Da wäre es „wurscht“, wenn jemand bei der Auswechslung vom Platz schleicht oder sprintet oder wieviel Zeit bei der Ausführung eines Elfmeters verstreicht.

Experten haben bei Fußballspielen eine Netto-Spielzeit von knapp 60 Minuten errechnet. Deutschland und die Bundesliga sind mit 58:30 Minuten sogar in der Führungsgruppe (neben der englischen Premier-League), während in den anderen Spitzenligen dieser Wert unterboten wird. In Spanien knapp mit 58:20 Minuten, in den Niederlanden 56:42 Minuten. Italien kommt auf ca 54 bis 55 Minuten pro Spiel. International in der Champions- League liegt der Wert bei ca 57:00 Minuten.

Lösung: Den Zeit-Dieben einfach das Handwerk legen? Nettospielzeit von 60 Minuten. Der Fußballsport wird sich bedanken. Auch wenn Sepp Herberger, deutscher Weltmeister-Trainer von 1954 sich im Grabe umdrehen wird. Sein legendärer Spruch „ein Spiel dauert 90 Minuten“ ist längst schon Geschichte.

Vielen Dank für diesen informativen Artikel, Herr Dahlmann. Wenn Sie weitere Einblicke in den Sport gewinnen möchten, besuchen Sie gerne unseren Blog und lesen Sie Interviews mit Experten.

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